Bericht zum Besuch von Stefanie Vogeler und Antje Wiegand

Justizfachsekretäranwärterinnen am Donnerstag, 27. Oktober 2022 in der Geschäftsstelle des LVPALSA

Zum Thema „Amtsvormundschaft für minderjährige Pflegekinder“

Im Rahmen eines Praxisprojektes „Amtsvormund für minderjährige Pflegekinder“
  • Wenn Theorie mit dem wirklichen Leben ergänzt wird
  • Angehende Justizfachwirtinnen holen sich beim Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern Rat
  • Halberstadt

Als Stefanie Vogeler und Antje Wiegand, zwei angehende Justizfachwirtinnen, das Thema ihres Praxisprojektes erfuhren, das sie gemeinsam mit drei anderen Studienkollegen bearbeiten, waren sie ganz angetan. Zum Thema „Amtsvormund für minderjährige Pflegekinder“ wurden Gesetze gewälzt sowie Bachelorarbeiten und Aufsätze durchgearbeitet. Dabei mussten sie jedoch feststellen, dass zur Theorie noch ein gutes Stück an Praxis fehlt und hatten sich daher an den Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern gewandt.

Die Vorsitzende Kathrin Kube, selbst Mutter von drei Pflegekindern, nahm sich viel Zeit für die wissbegierigen Frauen. Denn das Thema ist komplex und reicht von den Gründen, wann eine Vormundschaft für ein minderjähriges Kind durch die Familiengerichte angeordnet wird, über die Bedeutung der Perspektivklärung für das Kind, das Verhältnis des Jugendamtes zu den Pflegefamilien und die Rolle von Hilfeplänen bis hin zu den Erwartungen von Pflegeeltern an den Vormund ihres Pflegekindes.

Nicht selten werden Teile des Sorgerechts sogar freiwillig durch die Herkunftseltern an die Pflegeeltern abgetreten. Familie Kube selbst hat gute Erfahrungen als Ergänzungspfleger ihrer Kinder gemacht und damit nur einen Teil der Wirkungskreise der elterlichen Sorge für ihre Pflegekinder übernommen. Dazu gehören die Gesundheitssorge und die Antragstellung auf Sozialleistungen. Andere Angelegenheiten wie beispielsweise das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder die Vermögenssorge in der Verantwortung der Pflegeeltern sieht Kathrin Kube kritisch. „Es schlagen immer zwei Herzen in Ihrer Brust, wenn es beispielsweise um die Umgänge mit den Herkunftseltern oder gar die Rückführung geht.“ Solche Dinge solle besser eine Person entscheiden, die von Amts wegen keine emotionale Bindung zum Kind habe. „Pflegeeltern sind emotional erpressbar“.

Gerade zu den Umständen der Rückführung der Pflegekinder in die Herkunftsfamilie hatten die Justizfachsekretäranwärterinnen viele Fragen, mussten jedoch hören, dass die Rückführungsquote bundesweit bei nur etwa sechs Prozent liegt. Das bedeutet, dass die allermeisten Pflegschaften letztendlich erst mit der Volljährigkeit der Mündel enden. Zwar wird jeder Fall alle zwei Jahre durch die Familiengerichte wieder neu betrachtet, nur selten aber wird eine Rückführung zu den leiblichen Eltern entschieden.

Das neue Vormundschaftsgesetz, das zum 1. Januar 23 gilt und ein Gesetz ablöst, das in seiner jetzigen Form bereits seit dem Jahr 1900 gilt. stärkt nun die Rechte der Kinder und Jugendlichen, um die es letztendlich geht und räumt ihnen ein Mitspracherecht ein, künftig soll das Engagement eines ehrenamtlichen Einzelvormundes immer vor der Ernennung eines Amtsvormundes gehen.
Während des Gesprächs betonte Kathrin Kube immer wieder die Bedeutung der Beratung, Begleitung und Unterstützung der Pflegefamilien, erhob das Wort aber auch im Sinne des Personals in den Jugendämtern. „Wenn die Mitarbeiter und Vormünder jeweils zu viele Fälle auf ihrem Tisch haben, können sie sich nicht so kümmern, wie es vom Gesetz verlangt und von den Pflegfamilien gewünscht wird.“

Erst kürzlich hatte der Landesverband gemeinsam mit dem Fachzentrum Pflegekinderwesen einen Fachtag organisiert, um die Änderungen des neuen Vormundschaftsgesetzes zu erörtern. Diese dort vorgestellten Dokumente erhielten die Besucherinnen in die Hand und noch viele weitere Unterlagen zum Thema Vormundschaft für Pflegekinder, darunter auch eine Broschüre von moses-online, der Internet-Plattform für Pflege und Adoptiveltern, die sich mit aktuellen Fragen des Pflegekinderwesens auseinandersetzt.

Beeindruckt und hochmotiviert bedankten sich Antje Wiegand und Stefanie Vogeler bei Kathrin Kube. Eines allerdings beschäftigte die beiden Anwärterinnen schon beim Abschied: „Wie um alles in der Welt packen wir dieses komplexe Wissen nun in unsere zwanzig Minuten, die uns für unsere Präsentation zur Verfügung stehen?“

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