Newsletter 01 2022

  • Grüße von Kathrin Kube, erste Vorsitzende des Landesverbandes
  • Wir sind der Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern im Land Sachsen-Anhalt e.V.
  • Die neue Geschäftsführerin Ramona Adelsberger stellt sich vor
  • Aus unserer Verbandsarbeit
  • Podiumsdiskussion anlässlich des Jubiläums unseres Landesverbandes
  • Informationen aus unseren Mitgliedsvereinen

Grüße von Kathrin Kube, erste Vorsitzende des Landesverbandes

Kathrin Kube, erste Vorsitzende

Im Namen des Vorstands begrüße ich Sie mit unserem ersten Newsletter, der Sie ab sofort regelmäßig über unsere Arbeit und alle Neuigkeiten informieren wird. Auf das neue Jahr 2022 blicken wir mit viel Optimismus und haben uns eine Menge vorgenommen, um unserem großen Ziel, die Bedingungen für Pflegeltern in unserem Land Sachsen-Anhalt zu verbessern und insgesamt auf Landes-, aber auch auf Bundesebene vergleichbarer zu machen, näher zu kommen. Wir wünschen uns, dass es 2022 nun endlich gelingen wird, die Pandemie zu überwinden und zu mehr Normalität zurück zu kehren. Denn die Mehrbelastungen haben nicht zuletzt für unsere Pflegefamilien große Anstrengungen bedeutet, sondern auch unsere Verbandsarbeit um einiges schwieriger gestaltet. für 2022 haben wir uns viel vorgenommen und wollen verstärkt auf das Pflegekinderwesen aufmerksam machen. Dazu nutzen wir Schnittstellen mit den Trägern der freien Jugendhilfe sowie Wohlfahrts- und Familienverbänden und wollen die Politik für die besondere Situation der Pflegefamilien sensibilisieren. Dabei freuen wir uns über jede Unterstützung. Sprechen Sie uns einfach an.

Wir sind der Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern im Land Sachsen-Anhalt e.V.

Der Verband hat sich vor 25 Jahren gegründet und ist ein Zusammenschluss von Pflege- und Adoptiveltern, Vereinen und Zusammenschlüssen und arbeitet gemeinnützig und ehrenamtlich. Unser Ziel ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Pflegefamilien, denn diese werden dringend benötigt.
Seit 2021 ist unser Vorstand landesweit aufgestellt:

(von links):
Beisitzerin Annett Czerny-Röhr kommt vom „Zuhause“ e.V. Bernburg, Beisitzer Andrè KönigGrübner vom Verein der Pflegeund Adoptivfamilien mit Herz Haldensleben, der für Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Beisitzer Vinzenz-Nico Ermrich und die erste Vorsitzende Kathrin Kube kommen vom Pflege und Adoptivelternverein Halberstadt e.V., Schriftführerin Beatrice von Grzymala vom Pflege- und Adoptivelternverein Wernigerode e.V. sowie die stellvertretende Vorsitzende Hanka Veckenstedt und Kassenwartin Liane Rosemund vom Pflege- und Adoptivelternverein Halberstadt e.V. Auf dem Bild fehlt Beisitzerin Doreen Andrä vom Verein für Pflege- und Adoptivfamilien Anhalt-Wittenberg e.V.

Die neue Geschäftsführerin Ramona Adelsberger stellt sich vor

Guten Tag, ich bin die Neue. Seit Dezember 2021 gehöre ich zum Landesverband und habe die Geschäftsführung übernommen. Vorher war ich zehn Jahre lang als selbständige Journalistin tätig. Das Thema Pflege- und Adoptivkinderwesen finde ich spannend und will mich einbringen, um auf aktuelle Probleme aufmerksam zu machen und die Rahmenbedingungen für die Familien zu verbessern. Ich danke für das Vertrauen und freue mich auf die Arbeit.

Aus unserer Verbandsarbeit

Das Foto zeigt (von links) die Mitglieder des Vorstandes Hanka Veckenstedt, Liane Rosemund und Kathrin Kube, Regionalleiter Rolf Hanselmann und Verbandsgeschäftsführerin Ramona Adelsberger.

Wir sind nun Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband und versprechen uns vom Netzwerk einen interessanten Input für unsere künftige Arbeit. Wir werden von den Erfahrungen des Paritätischen partizipieren und Schnittstellen definieren und mit unseren Zielen verknüpfen. Der Leiter der Paritäts-Regionalstelle Mitte-West Rolf Hanselmann hat uns in der Geschäftsstelle des Landesverbandes in Halberstadt besucht und uns unsere Mitgliedsurkunde übergeben. Unsere Mitgliedschaft wurde durch den Beirat einstimmig beschlossen. „Mit Ihrem Landesverband hat nun auch das Thema der Pflegeund Adoptiveltern Eingang in die große Familie der Parität gefunden“, hat Hanselmann festgestellt. Künftig arbeiten wir gemeinsam und wollen Politik und Verwaltung dahingehend beeinflussen, dass alle Menschen gerecht behandelt werden. Wir wollen für Chancengleichheit kämpfen, gerade auch für unsere Pflegekinder, die oft einen schweren Start ins Leben haben.

Austausch mit der Politik

Im Rahmen unserer Mitgliedschaft in der Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände (LAGF) sind wir in einen regen Austausch mit dem Sozialministerium und dem Sozialausschuss des Landtags getreten. Während das Treffen mit Vertretern des Sozialministeriums coronabedingt per Videokonferenz stattgefunden hat, haben sich die Familienverbände und die Mitglieder des Sozialausschusses zum familienpolitischen Fachgespräch im Roncalli-Haus Magdeburg in Präsenz getroffen. Dabei hatten wir als Landesverband Gelegenheit, uns vorzustellen und unser Leitbild zu präsentieren. Das Thema des Gesprächs „Was brauchen Familien“ konnten wir durch die Spezifik unserer besonderen Situation der Pflege- und Adoptivfamilien ergänzen. Das Interesse der Politiker schien groß zu sein.

Treffen der Landesverbände aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin

Weil sich die Pflege- und Adoptivfamilien der neuen Bundesländer mit anderen Problemen konfrontiert sehen, als die Familien in den alten Ländern, wurde vereinbart, künftig enger zusammenzuarbeiten. Als Form dieser Zusammenarbeit wurde eine Interessengemeinschaft gegründet, die als lockerer und offener Arbeitskreis politisch künftig mit einer Stimme sprechen wird. Ziel ist, den Besonderheiten in den mitteldeutschen Pflegefamilienverbänden mehr Gewicht zu verleihen.

Enger Austausch mit Fachleuten

Für die fachliche Beratung unserer Verbandsarbeit wissen wir das Fachzentrum für Pflegekinderwesen in Bernburg hinter uns, auf dessen Fachwissen und reichen Erfahrungsschatz wir stets zurückgreifen können. Das theoretische Rüstzeug rund um Pflegekindschaft, Adoption und Integration erhalten wir vom Portal Moses-online, dessen Mitbetreiberin Henrike Hopp, die bundesweit als die Fachfrau im Pflegekinderwesen gilt und den Ehrenvorsitz unseres Verbandes inne hat, uns mit Rat und Tat zur Seite steht.

Podiumsdiskussion anlässlich des Jubiläums unseres Landesverbandes

Der Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern e.V. im Land Sachsen-Anhalt begeht in diesem Jahr das Jubiläum seiner Gründung vor 25 Jahren. Weil nun nicht gerade die Zeit ist, um ausgelassen zu feiern, wir dieses besondere Datum aber nicht unbeachtet lassen wollen, haben wir uns für Sonnabend, 2. Juli 2022 um 10 Uhr zu einer Podiumsdiskussion entschieden, zu der wir in das Kino „Volkslichtspiele“ nach Wernigerode einladen möchten. Das Thema: „Pflegefamilien – ein Hafen für besondere Kinder“. Sozialministerin Petra Grimm-Benne wurde angefragt, ob sie die Schirmherrrschaft übernehmen würde. Im Mittelpunkt dieses Tages sollen unsere Pflegekinder stehen, mit dem besonderen Blick auf ihre schwierigen Lebenserfahrungen, die sie in einem symbolischen Rucksack mit sich tragen und in die Pflegefamilien bringen. Beim Umgang mit diesen prägenden „Altlasten“, benötigen die Pflegefamilien alle Hilfe, die sie bekommen können. Die Einladungskarte mit allen Hinweisen zur Anmeldung ist auf der Homepage des LVPALSA zu finden.

An dieser Stelle finden Sie künftig Informationen aus unseren Mitgliedsvereinen:

Halberstadt: Ministerin Grimm-Benne besucht den Verein – im Wohnzimmer der Vereinsvorsitzenden

Schlanstedt – Der Rahmen für die Gesprächsrunde hätte passender nicht sein können. Denn für ein Arbeitsgespräch mit Gesundheits- und Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hatte Kathrin Kube, erste Vorsitzende des Pflege- und Adoptivelternvereins Halberstadt e.V. und zudem Chefin des Landesverbandes kurzerhand zu sich nach Hause in ihr Schlanstedter Wohnzimmer an eine gemütliche Kaffeetafel eingeladen. Gekommen waren Gleichgesinnte, Mitstreiter und Unterstützer.

Das Thema Pflegschaft für Kinder und Jugendliche ist nach wie vor prekär, wie Kube ausführte. „Aktuell gibt es in Deutschland 91 Tausend Kinder, die nicht in der eigenen Familie groß werden können.“ Dagegen stünden bundesweit aber nur etwa 57 Tausend Pflegefamilien. „Und diese Schere wird immer größer, weil sich tendenziell immer weniger Familien dazu entschließen, einem fremden Kind ein Zuhause zu geben.“ Daher sei es umso wichtiger, die Rahmenbedingungen für Pflegeeltern insgesamt attraktiver zu gestalten und jede Unterstützung zu geben, die sie benötigen. Denn das überarbeitete Sozialgesetzbuch gibt das durchaus her, hat die Rechte von Pflegeltern gestärkt und die Rolle
der Jugendämter eindeutig definiert. Und noch eine Zahl hat Kathrin Kube parat, die Hoffnung macht und dem deutschlandweiten Trend nicht folgt, denn allein in der Gemeinde Huy gebe es 20 Pflegefamilien, die sich um ein, oder, wie beispielsweise Familie Kube, um mehrere Pflegekinder kümmern. Vor 14 Jahren kam das erste Pflegekind zu Kubes, die selbst drei lange erwachsene Töchter haben und sogar schon Großeltern sind. Heute leben drei Pflegekinder unter dem Dach. „Dass sich in der Gemeinde Huy so viele Pflegefamilien gefunden haben, ist in erster Linie dem Engagement von Kathrin Kube zu verdanken, die unermüdlich die Werbetrommel rührt“, betont Christin Rütting, Vereinsmitglied und als ehemalige Mitarbeiterin des Jugendamtes auch langjährige Begleiterin des Vereins. Beweis für diese besonders gute Arbeit sei auch, dass unter dem Dach des Vereins 53 Familien aus dem gesamten Harzkreis organisiert sind.
Für die Ministerin sind der Pflegeelternverein und der Verband, wie sie betont, sehr gute bekannte und die Problematik rund um die Situation der Pflegschaft vertrautes Terrain. Sie wisse den Landesverband , der seit 2018 vom Land gefördert wird und nun sogar eine eigene Geschäftsstelle hat, bei Kathrin Kube in guten Händen. „Mit der jüngsten Wahl haben wir auch die ‚Harzlastigkeit‘ korrigiert und sind nun im Verband breit aufgestellt“, ergänzt Kube. Jetzt gehören Vertreter aus Bernburg, Wittenberg, Haldensleben, Wernigerode und Halberstadt zum Vorstand. Durch die Arbeit im Landesverband hat Kathrin Kube nun einen guten Überblick über die Situation in den anderen Landkreisen und kann daher gut vergleichen. So gebe es beispielsweise in Wittenberg ein gutes Miteinander von Pflegeeltern und Jugendamt, das sich Pflegeeltern aus dem Harz auch wünschen würden. Gerade in der Corona-Zeit sei die Erreichbarkeit der Mitarbeiter mitunter so schwierig gewesen, dass die Telefone der Vorstände nicht still gestanden haben, weil sich Pflegeltern in ihrer Not an den Verein gewandt hätten. „Dabei dürfen wir überhaupt nicht beraten.“ Zudem gebe es einen häufigen Personalwechsel im Amt. „Das ist nicht nur für die Eltern, sondern auch die Kinder fatal“, so Kube. Nach Auskunft der Kreisverwaltung gibt es im Landkreis Harz derzeit 330 Pflegekinder, die alle in Pflegefamilien leben. „Noch einmal soviele Kinder und Jugendliche leben in Heimen“, ergänzt Kathrin Kube. Sie erwarte in Kürze sogar einen „corona-Baby-Boom, einen Zuwachs von Neugeborenen, die in Pflegefamilien kommen und spricht auch offen an, dass es, gerade im ländlichen Raum, zunehmend Probleme mit der Akzeptanz andersfarbiger Kinder gebe. „Das hatten wir vor 40 Jahren aber auch schon“, erinnert sich Christine Rütting.
Ministerin Grimm-Benne weiß, dass die Zahl der Kinder, die aus den Familien genommen werden müssen, steigt und dass die Kinder immer jünger werden. Allerdings sei Jugendhilfe Aufgabe der Landkreise und damit Sache des Städteund Gemeindebundes. Und der Fachkräftemangel mache auch nicht im sozialen Bereich Halt und zeige sich in der Fluktuation der Jugendamtsmitarbeiter. Die Ministerin will einige Schwerpunkte dieses Treffens mit nach Magdeburg nehmen, insbesondere die Problematik der Bereitschaftspflegestellen, deren Anzahl immer weiter zurück geht. Warum genau, erklärt Kathrin Kube: „Die meist sehr jungen Kinder, die zunächst in eine Bereitschaftspflegestelle kommen, bleiben zu lange, meist sogar über ein Jahr, bis die Perspektive für das Kind geklärt ist. In dieser Zeit haben sich Pflegeeltern und -kinder meist so aneinander gewöhnt, dass daraus eine Dauerpflegestelle wird.“ Zudem seien Bereitschaftspflegeeltern deutlich schlechter gestellt als „normale“ Pflegeeltern, weil sie nur dann bezahlt werden, wenn sie ein Kind betreuen, aber rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssen. Weiterhin will sich die Ministerin eines neuen Modells annehmen, das Schule machen könnte, die sogenannten „Pflegenester“, bei denen die Pflegemutter eine Art Gehalt erhält und damit sozial abgesichert ist. Denn gerade die Frage nach einer Kranken- und Rentenversicherung steht bei vielen Familien, die sich für ein Pflegekind entscheiden wollen, im Raum. Oft genug sind die Kinder durch das erlebte so traumatisiert, dass eine Rundumbetreuung nötig wird und ein Pflegeelternteil seinen Beruf aufgibt.
Zum angesprochenen Problem der schwierigen Zusammenarbeit mit den Jugendämtern schlägt Grimm-Benne vor, die im Ministerium regelmäßig stattfindenden Konferenzen der Jugendamtsleiter zu nutzen, um die Vereine und den Verband vorzustellen und Klartext zu sprechen. „Es ist immer besser, direkt miteinander zu reden, als über eine dritte Ebene“, so Petra Grimm-Benne.

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